Wo einst die Vögte residierten...
Die Vögte von Weida, Gera und Plauen waren eine bedeutende mittelalterliche Adelsfamilie im Gebiet von Ostthüringen, Nordböhmen, dem südwestlichen Sachsen und Teilen Oberfrankens. Nach ihnen ist das Vogtland zwischen oberer Saale, Pleiße und Regnitz benannt. Ein Vogt – vom lateinischen advocatus, der Herbeigerufene – regierte und richtete als Vertreter eines Feudalherrschers im Namen des Landesherrn.
Die Ministerialenfamilie übersiedelte Anfang des 12. Jahrhundert wohl aus dem Westharz stammend, in das Gebiet der oberen und mittleren Weißen Elster. Mehrfach waren sie als Reichslandrichter im Eger- und Pleißenland tätig. Weil dieses Gebiet von den Kaiserpfalzen aus gesehen weit im Osten lag, wird es auch Ost(er)land genannt. Daher nennt man die Stammburg der Vögte in Weida auch Osterburg.
Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) stattete die Vogtsfamilie mit umfassenden Vollmachten aus.
So gelang ihnen die Ostkolonialisierung und Unterwerfung der Slawen.
Etwa dreihundert Jahre lang waren die Vögte die eigentlichen Herren des Landes.
Ihr Machtverfall setzte unter Kaiser Karl IV. vor allem als Folge des Vogtländischen Krieges von 1354 bis 1357 ein, bei dem die sächsischen Wettiner die Hauptgewinner waren.
Die Linie der Vögte von Weida endete 1531, die der von Gera 1550. Die ältere Linie der Vögte von Plauen erlosch 1572. Die jüngere Linie regierte in den späteren Ostthüringer Herrschaftsgebieten als Grafen, später als Fürsten von Reuß bis 1918.
Den Beinamen „Reuß“ bekam der zweite Sohn des Vogtes Heinrich I. von Plauen wegen seines langen Aufenthaltes in Russland und wegen seiner Ehe mit Maria Svihowska, die aus einem russischen Fürstenhaus stammte.
Die Osterburg - Geschichte der Stammburg der Vögte
Im 12. Jahrhundert beherrschte die Familie der Vögte von Weida den Raum östlich der Saale. Vogt Erkenbert de Withaa (Erkenbert I.) wird bereits in der ersten schriftlichen Überlieferung vom Jahr 1122 mit der Burg Weida in Verbindung gebracht. Archäologische Ausgrabungen bestätigen, dass die Anfänge einer Bautätigkeit zu Beginn des 12. Jh. anzunehmen sind. Vogt Heinrich der Reiche (Heinrich I.) veranlasste den aufwändigen Ausbau der Burg im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts. Die Fertigstellung wird für 1193 angenommen.
Das „Feste Haus zu Weida“ wurde auf einem Bergsporn zwischen den Flüssen Weida und Auma als militärische Befestigungsanlage erbaut. Die Burg erhielt erst im 17. Jh. den Namen Osterburg, abgeleitet von der Landschaftsbezeichnung Oster- oder Ostland. Bis ins späte Mittelalter war sie Regierungssitz der Vögte von Weida, die über ein für damalige Verhältnisse großes Gebiet herrschten und ihm den Namen Vogtland gaben.
Aus jener Zeit ist heute nur noch der charakteristisch gestufte, 54 Meter hohe Bergfried erhalten geblieben. Sein achteckiger Kern aus Backstein wurde später mit Bruchsteinen ummantelt und im 14. Jahrhundert durch den 17 m hohen Aufsatz mit Steinhelm erhöht.
Mit einer Mauerstärke von 5,70 m unterhalb des ersten Zinnenkranzes ist er ein imposantes Bauwerk.
Mit dem Übergang der vögtischen Besitztümer an den Markgrafen von Meißen begann 1427 die Herrschaft der Wettiner, die mehrere Jahrhunderte andauern sollte. Die Osterburg wurde Sitz der Amtsverwaltung mit den ihr unterstellten Finanz- und Gerichtsbehörden. Außer dem Bergfried sind andere Gebäude aus der Entstehungszeit der Burganlage nicht mehr erhalten, weil sie 1633 im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden.
Zwischen 1667 und 1717 wurden unter dem Einfluss von Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz die Schloss- und Wirtschaftsgebäude der Burg wieder aufgebaut bzw. instand gesetzt.
Die heute vorhandenen Bauten entstanden unter Einbeziehung früherer Architekturreste und sind so von den Baustilen der Renaissance und des Barock geprägt.
1818 wurde die Osterburg zusätzlich Sitz des „Großherzoglichen Criminalgerichts“ und Gefängnis. Im Jahr 1930 verlegte der ortsgeschichtliche Verein das Museum in die Burg. Bildenden Kunst in der Galerie – seit etwa 1996 – und im Künstleratelier im Neuen Schloss machen die Osterburg auch für den Kunstliebhaber interessant.
In den Jahren 2011 bis 2013 wurde die Turmspitze neu errichtet und bekrönt. Das Neue Schloss erhielt eine komplette Außensanierung mithilfe europäischer Fördermittel.
Um die 20.000 Besucher pro Jahr werden in der Osterburg gezählt. Diese Zahl spricht für die bedeutendste Sehenswürdigkeit von Weida und des Vogtlandes.
