Gericht und Gefängnis

Die Gefängniszelle

Seit dem 15. Jahrhundert befand sich in der Osterburg ein Kerker, das 1483 erstmals erwähnte Hundeloch. Hier soll der Sage nach auch der Zimmermann Arnold Fehr, der Schöpfer der sagenhaften Wendeltreppe, von 1670 bis zu seiner Begnadigung 1671 inhaftiert gewesen sein.
Erst im 19. Jahrhundert wurde die Trennung von Verwaltung und Justiz vorgenommen. 1825 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit in den Städten aufgehoben. Auf der Osterburg gab es in jener Zeit ein „Criminalgericht“.
Um 1850 entstanden überall im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (SWE) Justizämter und Kreisgerichte. In Weida war das Kreisgericht erstinstanzlich für Straf- und Zivilsachen zuständig.
Das Amtsgericht Weida auf der Osterburg wurde erst am 1. Oktober 1879 eingerichtet. Interessanterweise war die nächste Instanz das gemeinsame Landgericht Gera für Reuß j. L. und den V. Verwaltungsbezirk von SWE.
Das Amtsgericht Weida bestand bis zum 31.12.1951.
In diesen hundert Jahren gab es immer auch Gefängniszellen für Untersuchungshäftlinge in der Osterburg. Auch kurze Festungshaften wurden hier verbüßt.
Eine davon ist im Erdgeschoss des Alten Schlosses zu besichtigen.
Hier ist die Osterburg in ihrer langen Tradition als Gerichts- und Gefängnisort erlebbar. Thematisiert wird das historische Ereignis der letzten Hinrichtung in Weida im Jahre 1833, bei der nach Berichten etwa 20.000 Schaulustige Weida besuchten. Durch das dargestellte „hochnotpeinliche Halsgericht“ erhält der Besucher einen guten Einblick in die damalige Gerichtsbarkeit. Das Diorama von 2011 zeigt die Hinrichtungsszene. Die allgemeinen Formeln, die zu Hinrichtungen in der damaligen Zeit üblich waren, sind zu hören.
An der Zelle vorbei führt der Weg in den ehemaligen Gefängnisgarten. Dieser von der Burgmauer umschlossene kleine Innenhof diente den Inhaftierten zum Freigang. Heute ist dieses Areal um den Ahornbaum Veranstaltungsort für Lesungen, Musik und Kleinkunst. Der Garten ist aber auch als Fotokulisse bei Hochzeitspaaren beliebt.
Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde hier eine Pforte in die Mauer gebrochen. Durch diesen Durchlass gelangen die Besucher ins Freie. Die Treppenanlage erstreckt sich über insgesamt 76 Meter Weg, überwindet zwölf Höhenmeter und führt hinunter in den „Höfischen Lustgarten“.