Burggärten und Eiszeitstein

Der „Mittelalterliche Wurzgarten“

Unter dem Motto „Erlebnis-Burg-Garten“ stellten sich die Gärten der Osterburg erstmals als Begleitprojekt der Bundesgartenschau Gera und Ronneburg 2007 vor. Die Osterburg als Begegnungsstätte für Historie, Kunst und Kultur wurde mit den neu gestalteten Gärten noch attraktiver. Im nördlichen Innenbereich der Burg entstand der „Mittelalterliche Wurzgarten“, ein Areal aus Nutz- und Zierpflanzen. Der frühere Gewürzgarten diente als Nutzgarten für die Küche aber auch zu Heilzwecken. Hinzu kam der Anbau von Färbepflanzen, wie Färberwaid. Neue Wege verbinden die einzelnen Elemente des Wurzgartens zu einem schönen Gesamtensemble. Die in die Wegestruktur eingelassenen Pflaster-bänder weisen auf ehemalige Gebäude hin, die Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen wurden. Neu angelegt wurden Hochbeete aus Lärchenholz. Hier findet sich von A wie Arnika bis Z wie Zitronenmelisse fast alles, was schon Karl der Große in seiner Landgüterverordnung aus dem Jahr 800 zum Anbau empfohlen hatte. Obstbäume, wie Apfel, Birne und Vogelkirsche und einige Solitärgehölze, wie die „Sagenhafte Eiche“ oder der Amberbaum ziehen die Blicke auf sich. Kletterrosen wachsen an der Burgmauer empor. Sommerblumen bilden die Farbtupfer. Am Ende des „Mittelalterlichen Wurzgartens“ steht ein so genannter Eiszeitstein. In Thüringen gibt es zehn Eiszeitsteine. Sie sind Zeugnisse der Eiszeit, jener Zeit, in der von Skandinavien eine zusammenhängende Gletscherdecke bis in die Mitte Deutschlands reichte. Am Eiszeitstein ist eine Tafel angebracht, die den Verlauf der Südgrenze der skandinavischen Inlandvereisung im Quartär zeigt.

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Der „Höfische Lustgarten“

Lustgärten haben in allen Burgen und Schlössern Tradition. Burg- und Schlossherren nutzten diese Gärten zum Lustwandeln, also zur Erholung und zur Freizeitgestaltung mit der Familie. Im südwestlichen Bereich der Osterburg wurde die alte Gartenanlage zum Veranstaltungsareal umgestaltet. Eine Naturbühne mit integriertem Schachfeld lädt im mehrfachen Wortsinn zum Spielen ein. Die alte Burg- und Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert bildet im Hintergrund eine malerische Theaterkulisse. Eine imposante Wehrturmruine trägt zum unverwechselbaren Charme des „Höfischen Lustgartens“ bei. Open-air-Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die der Sonne zugewandten Terrassen des zum Burgturm aufstrebenden Hanges wurden mit Weinstöcken, Efeu, Mauerkronenstauden und Kletterrosen bepflanzt.

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Der Gefängnisgarten

Seit dem 15. Jahrhundert befanden sich in der Osterburg verschiedene Kerker und Gefängniszellen. Im Burghof ist heute noch das Hundeloch zu sehen, ein winziger, fensterloser Kerker, der bereits im Jahr 1483 erwähnt wird. 1825 erfolgte im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine Justizreform in deren Folge das Justizamt Weida gegründet wurde. Dieses bezeichnete man ab 1897 als Amtsgericht, das mit seinen Gefängniszellen bis 1949 in der Osterburg verblieb. Eine Zelle ist im Erdgeschoss des Alten Schlosses zu besichtigen. An ihr vorbei führt der Weg in den ehemaligen Gefängnisgarten. Dieser kleine Innenhof diente früher den Inhaftierten zum Freigang. Heute ist dieses Areal um den Ahornbaum Fotokulisse und Platz für Lesungen, Musik, Kabarett und Kleinkunst, behielt aber seinen Namen „Gefängnisgarten“. Um eine Verbindung zum Lustgarten zu schaffen, wurde eine Pforte in die Mauer gebrochen. Durch diesen Durchlass ins Freie gelangt, bietet sich dem Auge des Besuchers eine herrliche Aussicht über Weidas Altstadt. Die Treppenanlage erstreckt sich über 75 Meter Weg hinunter zum „Höfischen Lustgarten“, hat acht Treppen mit insgesamt 52 Stufen und überwindet zwölf Höhenmeter.

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