Das Wissens-Schloss

Science Castle Osterburg

„Das Wissens-Schloss in der Osterburg“

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Kinder auf die Burg

Schon lange ist es den Stadtvätern ein Dorn im Auge, dass sich die im Oster-burggelände genutzten Räume nur im Alten Schloss, dem Burgturm und in der Remise befinden. Hier gibt es eine vielfältige museale Nutzung. Bis auf die gastronomische Nutzung der unteren Etage, einem Künstleratelier und dem Moritzgewölbe als Veranstaltungsraum steht der größte Gebäudekomplex – das Neue Schloss – leer. Trotzdem wurde durch die äußere Sanierung der Fassade, der Schieferdacheindeckung und dem Anbau eines Fahrstuhlschachts das Gesamtensemble attraktiv aufgewertet. Bis 1985 diente das Neue Schloss als Jugendherberge. Seitdem plant man nun für eine Fläche von fast 1.500 qm eine neue Nutzung. Für den Ausbau der Räumlichkeiten auf insgesamt drei Etagen ist jedoch ein konkretes Nutzungskonzept Voraussetzung. Die Grundidee dafür heißt schon seit längerem „Kinder auf die Burg“. Oder Schüler. Weidas Stadtrat hat 2014 mit dem Beschluss zur Nutzung des Neuen Schlosses grundsätzlich entschieden, die Flächen für Schülerlabore, Experimentierstationen und Ausstellungsflächen zu naturwissenschaftlichen und technischen Themen zur Verfügung zu stellen. Dabei wird an eine außerschulische Weiterbildungs-möglichkeit gedacht. Diese Maßnahmen und die geplanten Mitmach-Ausstellung könnten ein überregional attraktives Ziel werden und die Wirtschaft der Region bei der Fachkräftegewinnung unterstützen.


Von der Technikausstellung zur Idee

Vom 23. März bis zum 4. November 2012 war anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) im Osterburgmuseum eine Ausstellung zu sehen, die an das Wirken der PTR und späteren Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) erinnerte. Die Ausstellung bot einen Einblick in die Forschungsaktivitäten der PTR – die Quantenphysik wurde hier begründet – sowie in die Entwicklung der Messtechnik. Neben historischen Geräten waren in der Ausstellung zahlreiche Geräte aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts zu sehen. Ausstellungshöhepunkt war die erste und einzige Atomuhr der DDR. Das Schicksal dieses Geheimprojektes der DDR und der Weg der Atomuhr von Berlin-Friedrichshagen über Bratislava (Slowakei) ins thüringische Weida wurden dargestellt.

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Was hat ein solches Jubiläum mit Weida zu tun?

1887 wurde auf Initiative des Wissenschaftlers und Industriellen Werner von Siemens (1816-1892) durch kaiserlichen Erlass eine staatliche Einrichtung zur Förderung der exakten Naturwissenschaften und der Präzisionstechnik gegründet, die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR). Als kongenialer Partner von Siemens entwickelte Hermann von Helmholtz (1821-1894) die Einrichtung zu einem innovativen Prototyp für spätere Formen außeruniversitärer Forschung,
so dass sie auch als Vorbild für andere Länder diente. In erstklassig ausgestatteten Laboratorien gelang eine einzigartige Verflechtung von wissenschaftlicher Grundlagenforschung mit technischen Entwicklungsarbeiten und metrologischen Dienstleistungen. Auch heutzutage werden in den Laboratorien der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt nahezu alle Fragen der Messtechnik bearbeitet. Hier werden die physikalischen Basiseinheiten dargestellt und in Form von Normalen aufbewahrt und angeschlossen.

Im Jahre 1943 wurden wegen kriegsbedingter Gefahren Laboratorien, Messgeräte und Mitarbeiter der PTR von Berlin nach Weida verlegt; bis 1953 war die Nachfolgeeinrichtung der PTR in Weida und den ostthüringischen Kleinstädten Ronneburg und Zeulenroda tätig.

Vom Urmeter zur Atomuhr war der Name der Jahresausstellung 2012. Sie wurde kuratiert von Professoren der Staatlichen Studienakademie Thüringen (Berufsakademie Gera) und erhielt Unterstützung durch die PTB und das Max-Planck-Institut für Geschichte der Naturwissenschaften.
8.600 Besucher besuchten die Ausstellung trotz der wegen Baumaßnahmen beschränkten Öffnungszeiten. Im Rahmen der Ausstellung wurden acht Vorträge und zwei Symposien (Zeitmessung mit Atomuhren, Atomforschung im Dritten Reich) angeboten, die allgemeinverständlich auf wissenschaftliche Themen eingingen. Auch diese Vorträge waren sehr gut besucht und zeigten das Interesse der Bewohner des Weidaer Umlands an wissenschaftlichen Themen.
Die Idee vom Wissens-Schloss war geboren.
http://wissens-schloss.de/

Standortfaktoren

Die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Bergfried und am Neuen Schloss von 2011 bis 2013 haben die Burg aufgewertet und wurden von der Bevölkerung sehr interessiert verfolgt. Bedeutsame bauhistorische Erkenntnisse konnten gewonnen und dokumentiert werden. Die Baumaßnahmen wurden durch das ELER-Programm der Europäischen Union gefördert. Damit war jedoch nur die Neugestaltung der äußeren Hülle möglich. Mit der Dachsanierung entstand ein wunderschöner großer Dachgeschossraum, der sich geradezu als Veranstaltungsraum anbietet. Die darunter liegenden beiden Etagen sind noch unsaniert.
Jedoch wurde bereits im Rahmen der Außensanierung ein Brandschutzkonzept erstellt und damit die Fluchtwegesituation geklärt. Das neue Treppenhaus ist als barrierefreier Zugang konzipiert und mit einem Fahrstuhl versehen worden, der die bequeme Erschließung aller Etagen ermöglicht.
Die Zufahrt zum Burghof ist nur mit kleineren Fahrzeugen möglich. Ausreichend PKW-Parkplätze und ein Bus-Stellplatz stehen am Scheunenweg zur Verfügung, der sich in nur 5 min Fußweg-Entfernung befindet.


Burganlage

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Aktuelle Situation

Der Anfang ist gemacht, aber es bleibt viel zu tun. Die notwendige Hausinstallation und Ausstattung muss geschickt in die historische Bausubstanz integriert werden; zunächst müssen das Deckentragwerk in den Geschossen ertüchtigt, Zwischenwände entfernt und Brandschutzauflagen erfüllt werden. Der erforderliche Finanzrahmen dafür liegt bei ca. 5 Millionen Euro. Erste Planungsunterlagen vom Architekturbüro Dr. Görstner aus Saalfeld liegen bereits vor.


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Prioritär ist, aus der Idee zum Wissens-Schloss ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das

  • den genauen Bedarf an Lehrräumen, Laboratorien, Experimentalflächen und Ausstellungsräumen,
  • neben der Anschubfinanzierung für den Ausbau auch die dauerhafte finanzielle Absicherung und
  • das notwendige Personal

beschreibt.


Stifter und Macher gesucht!

Dieses Konzept, sowohl technisch-pädagogisch, als auch betriebswirtschaftlich darf den städtischen Haushalt nicht belasten.
Deshalb sind langfristig Partner an das Projekt zu binden.
Die „Osterburg Stiftung zu Weida“ als mögliche Projektträgerin braucht weitere Unterstützer: Stifter und Macher.

Dem Fachkräftemangel in Deutschland und auch in unserer Region entgegen wirken, kann man nur mit frühzeitigem Praxisbezug. Junge Leute für Technik zu begeistern geht am besten gemeinsam mit denen, deren Erwartungen an künftige Mitarbeiter mehr und mehr enttäuscht wurden. Das bedeutet auch, Firmen und Forschungsinstitute einzubeziehen. Erste Kontakte wurden bereits geknüpft: Zu verschiedenen Anlässen und an unterschiedlichsten Stellen wurde die Idee schon vorgestellt, das „Wissens-Schloss“ hat neue Befürworter gefunden. Insbesondere die Industrie- und Handelskammer (IHK) Gera und eine Reihe innovativer Unternehmen aus der Region blicken mit Spannung auf das ambitionierte Projekt. Es gilt nun, die Idee weiterzuentwickeln und die Kontakte auszubauen.

Zielstellung

Im Wissens-Schloss soll die natürliche Neugier von jungen Leuten für Naturphänomene und technische Systeme aufgegriffen und geholfen werden, dieses Interesse und damit auch die Offenheit für eine spätere berufliche Orientierung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu bewahren. Auch die Bedeutung von Informatiksystemen wird in den Exponaten und Experimenten des Wissens-Schlosses eine wichtige Rolle spielen.

Die Zielgruppen sind nicht nur Schüler verschiedenen Altersklassen, auch Erwachsene – im Rahmen von Fortbildung und Qualifizierung, und natürlich alle, die sich für Wissenschaft und Technik interessieren. Das Wissens-Schloss soll es ermöglichen, ganze Schulklassen zu beschäftigen, aber auch für den Einzelnen Zeit und Raum geben, um sich intensiv technischen Zusammenhängen zu widmen. Workshops und Praktika, Vorträge und Vorführungen sollen zeigen, dass man nicht nur im Unterricht lernen kann.


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Außerschulische Bildung im Wissens-Schloss

Auch die Möglichkeiten der außerschulischen Bildung im Wissens-Schloss dürfen nicht unterschätzt werden. Die Verbindung des historischen Umfeldes mit modernen technischen Informationen und eigenen Erfahrungen beim Experimentieren bieten ein völlig neues Lernerlebnis – für Lehrer und Schüler.
Die zur Verfügung stehenden Räume bieten sich für eine Mitmachausstellung geradezu an: große Räume für Ausstellungen und Vorträge, aber auch abgeschlossene Laborräume zum Experimentieren im kleinen Kreis.
Die Darstellung naturwissenschaftlicher Phänomene soll neugierig machen und Begeisterung auslösen. Aus Alltagssituationen und mit einfachen Mitteln wird dann ganz leicht Interesse für technische Grundlagen geweckt.

Die Themen:

  • Leben im privaten Haushalt,
  • Fortbewegung und Mobilität,
  • Bauen und Wohnen,
  • Umwelt und Energetik, erneuerbare Energien,
  • Bionik und Kommunikation,
  • moderne Technologien

werden eine große Rolle spielen.
Innerhalb dieser Bereiche lassen sich die Kernkompetenzen, an denen es derzeit vielen – nicht nur jungen – Menschen in unserer Gesellschaft mangelt, herausbilden:

Die Fähigkeit

  • sich in einer technisch-naturwissenschaftlich geprägten Welt zu orientieren
  • fächerübergreifendes naturwissenschaftliches Denken einzuüben
  • industrielle Produktionsabläufe zu begreifen und
  • eine kritische Aufgeschlossenheit für neue Technologien zu entwickeln.

science_castle_06Weiteres Vorgehen

Derzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Stadtrates mit der weiteren Entwicklung der Idee zum Wissens-Schloss. Auch die bautechnische Vorbereitung wird fortgeführt. Planunterlagen und bauhistorische Untersuchungen sind beauftragt. Für die nächsten Bauabschnitte werden Fördermaßnahmen geprüft. Die erforderlichen Maßnahmen brauchen Zeit. Zum Ausbau des Neuen Schlosses sind finanzielle Mittel erforderlich. Wann und woher diese kommen, ist derzeit noch ungeklärt. Bis zur tatsächlichen Nutzung sind mindestens zwei Jahre Bauzeit zu veranschlagen. Wir wollen und müssen also der Osterburg Zeit geben.

"Der Osterburg Zeit geben"

Die neue Ausstellung in der Remise des Osterburgmuseums will die Dimension Zeit in den Mittelpunkt rücken und Brücke sein.
Sie will der Osterburg die Zeit geben, die nötig ist, um das Wissens-Schloss zu etablieren. Sie will aber auch den Besuchern die Zeit nahe bringen. Also spielen Zeitmesser eine Rolle. Es gibt eine Dokumentation zu Turmuhren und dem Uhrmacherhandwerk im alten Weida. Die Atomuhr wird nochmals ausgestellt, wie sie schon 2012 gezeigt wurde, die letzte und einzige Atomuhr der DDR. Ein schöner Gegensatz dazu ist das Turmuhrwerk aus dem 19. Jh., das wahrscheinlich vom Turm einer Dorfkirche aus der Umgebung Weidas stammt.

Kalender sind ein weiteres Thema der Ausstellung . Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert.
Bauzeiten ist der dritte Schwerpunkt. Hier schließt sich der Kreis zum Ausstellungsort. Die Osterburg ist auch nicht über Nacht entstanden. Für Gründung, Bau und mehrmalige Umbauten musste Zeit veranschlagt werden. Viel Zeit. Und so finden sich in der Ausstellung Ansichten und Beschreibungen der Osterburg, wie sie anno 1250, 1550 und 1950 ausgesehen hat.
Die Osterburg lädt zur Betrachtung der Zeit ein. Die Ausstellung wendet sich an historisch und technisch interessierte Menschen. Sie nimmt das Wissens-Schloss ein klein wenig vorweg.
Weiterführende Informationen im Internet:
www.wissens-schloss.de und www.ptr-thueringen.de